Archiv der Kategorie: Uncategorized

Projekt „Territorialisierung in der Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik Verschiebungen von Grenzverläufen und Maßnahmen zur Flächendurchdringung von 1918 bis 1941“

Seit Februar 2021 führe ich ein Projekt unter obigem Titel an der Universität Gießen durch. Ich nenne es auch kurz das „Geografismus-Projekt“.

In der Geschichtswissenschaft bezeichnet Territorialisierung sowohl die herrschaftliche und staatliche Produktion und Durchdringung von Flächen. Unter dieser Prämisse fordern die am Ende des Ersten Weltkrieges vorgenommene Kreierung einer Belarusischen Volksrepublik (BNR)sowie die Konstruktion einer Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR) mit ihren Außen- und Binnengrenzen geradezu zu einer kritischen Analyse heraus. Diese kann empirische Bausteine zu einer Theorie der Territorialität liefern. Denn es ist zu beobachten, wie Moskau in einem 1917 noch umrisslosen Gebiet 1920/21 ein Völkerrechtssubjekt schuf, das in drei Etappen (1924, 1926 und 1939) an Fläche gewann und zu einer ethnisch legitimierten Sowjetrepublik avancierte. (b) Die Etablierung der Sowjetunion mit ihrer am Reißbrett geschaffenen Verwaltungsgliederung verweist im Hinblick auf die Akteure nicht nur auf ethnizistisches, sondern auch auf ein bis dato wenig beachtetes geografistisches Denken ‒ hier bezogen auf eine von ländlichen Räumen geprägte Republik, deren Bevölkerung sich jeglichen Identitäten gegenüber ambivalent verhielt.  (c) Das Projekt will in einer Monographie zu untersuchen, wie und warum innere und äußere Grenzen der BSSR neu justiert wurden. Wir wollen dabei ausloten, welche Auswirkungen die Entscheidungen der politischen Akteure auf die Titularnation der Belarusen und die Minderheiten der Juden, Polen und Russen hatten. Dadurch wollen wir herausfinden, wie sich das ethnische Paradigma und der Sowjetpatriotismus zu einander verhielten. Während der polnisch-sowjetische Vertrags von 1921 bei der Grenzziehung sprachliche Kriterien noch nicht berücksichtigte, betrieb die Sowjetunion beim Hitler-Stalin-Pakt 1939 auf Grundlage ethnischer Argumente Territorialpolitik. In diesem Sinne fokussiert das Projekt auf den Geografismus der Akteure. Dieser ist als Komplementärideologem zu Kulturalismus und Biologismus anzusehen; er stellt keinen irredentistisch ausbuchstabierten Nationalismus dar, sondern unterliegt der Annahme, Siedlungsgebiete seien Entitäten von langer Dauer. Im Gegensatz dazu versteht das Projekt Territorien als Konstruktion, als etwas von außen wie von innen Gemachtes.

Hier geht es zur externen Website

Übersicht über verschiedene Transliterationen des Belarusischen von der kyrillischen Schrift in die Lateinische

Der Austausch zwischen belarusischen und nichtbelarusischen Menschen darf nicht unter einem Wirrwarr der Transliterationen leiden!

Mit einer Transliterationstabelle

Es gibt sehr viele verschiedene durchaus übliche Transliterationen des kyrillisch geschriebenen Belarusischen in die lateinische Schrift. Die Autorin empfiehlt, die offizielle, 2007 von der Akademie der Wissenschaften der Republik Belarus mitentwickelte „Lacinka“ zu verwenden. Dies bedarf einiger Anstrengungen, aber es lohnt sich.

Dazu habe ich einen achtseitigen Text geschrieben, in dem ich herausstelle, warum die „Lancinka“ die am besten geeignete Transliteration ist. Dazu musste ich neun (!) verschiedene, durchaus gebräuchliche Transliterationsschemata gegenüberstellen.

Hier geht es zum Text

Rezension über Lokalität und Nationalismus. Dörfliche Gesellschaften in Ostgalizien in der Zwischenkriegszeit

Rezension in H-Soz-Kult über: Olga Linkiewicz: Lokalnosc i Nacjonalizm. Społeczności wiejskie w Galicji Wschodniej w dwudziestoleciu międzywojennym, 2018 [Lokalität und Nationalismus. Dörfliche Gesellschaften in Ostgalizien in der Zwischenkriegszeit]
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-27964?title=o-linkiewicz-lokalnosc-i-nacjonalizm

Das Cover des Buches von Diana Siebert: Herrschaftstechniken im Sumpf und ihre Reichweiten. Landschaftsinterventionen und Social Engineering in Polesien von 1914 bis 1941"

Buch „Herrschaftstechniken im Sumpf und ihre Reichweiten“ erschienen

Das Buch

Diana Siebert:
Herrschaftstechniken im Sumpf und ihre Reichweiten.
Landschaftsinterventionen und Social Engineering in Polesien von 1914 bis 1941


ist in der Reihe „Historische Belarus-Studien“ erschienen:
https://www.harrassowitz-verlag.de/Herrschaftstechniken_im_Sumpf_und_ihre_Reichweiten/title_5861.ahtml

Siebert-Diana-Herrschaftstechniken-im-Sumpf-und-ihre-Reichweiten-Polesien-1914-1941-U1

Zum Inhaltsverzeichnis geht es HIER:


Juden in Korfu vor der Shoah

Die Hellenika
  • Aufsatz: „Die Juden auf Korfu — Leben vor der Shoah“ in „Hellenika. Jahrbuch für griechische Kultur und deutsch-griechische Beziehungen, Neue Folge 13,  2018, S. 76-86 .  Auf Korfu existierte noch lange eine Gemeinde der romaniotischen Juden. Insgesamt lebten bis zu einem Pogrom 1891 etwa 5000 Juden in der Stadt Korfu. Im Aufsatz beschreibe ich deren weltliche und religiöse Situation bis zum Zweiten Weltkrieg.
    Bestellung im Buchhandel, beim Verlag: http://www.lit-verlag.de/reihe/hell oder bei einer Deutsch-Griechischen Gesellschaft

Journal „New Eastern Europe“ with Article on Belarus, Polesia and the Treaty of Brest-Litovsk

My article on The failure of mapmaking and territorialisation of statehood in Polesia and Belarus in 1918 has been published in New Eastern Europe (Warsaw) – including a copy of the map annexed to the treaty. You willl find it here: http://neweasterneurope.eu/2018/11/05/issue-6-2018-1918-year-independence/  .

Artikel über Märzvertrag von Brest-Litovsk 1918 mit Kartenauszug jetzt komplett online

Mein Beitrag im   Журнал Белорусского государственного университета. История

ist jetzt hier komplett online abrufbar !!

Ich habe darin auch, meines Wissens als Erste seit Unterzeichnung vor 100 Jahren,  Teile der Karte des Friedensvertrags von Brest-Litovsk vom 3.3.1918 zwischen dem sowjetischen Russland  einerseits und dem Deutschen, Habsburger, Osmanischen Reich sowie Bulgarien andererseits veröffentlicht.

Ich habe meine Veröffentlichung zum Anlass genommen, in einem russischsprachigen Aufsatz zu analysieren,
a/ warum diese Karte nie veröffentlicht wurde, obwohl sie integraler Bestandteil des Friedensvertrags war
b/ welche Fehler sich aufgrund der Geschiuchtsschreibung vor allem in die deutschsprachige Geschichtsschreibung eingeschlichen haben
c/ welche Auswirkungen es hatte, dass die Belarus für die Mittelmächte ein „Nicht-Ort“ war.

Erstmals Ausschnitte der Karte des Friedensvertrags von Brest-Litovsk 1918 veröffentlicht

Einen Ausschnitt aus dieser Karte veröffentlicht

 

Meines Wissens zum ersten Mal seit Unterzeichnung vor 100 Jahren hat jemand Teile der Karte des Friedensvertrags von Brest-Litovsk vom 3.3.1918 zwischen dem sowjetischen Russland  einerseits und dem Deutschen, Habsburger, Osmanischen Reich sowie Bulgarien andererseits veröffentlicht. Und zwar im   Журнал Белорусского государственного университета. История

Ich habe meine Veröffentlichung zum Anlass genommen, in einem russischsprachigen Aufsatz zu analysieren,
a/ warum diese Karte nie veröffentlicht wurde, obwohl sie integraler Bestandteil des Friedensvertrags war
b/ welche Fehler sich aufgrund der Geschiuchtsschreibung vor allem in die deutschsprachige Geschichtsschreibung eingeschlichen haben
c/ welche Auswirkungen es hatte, dass die Belarus für die Mittelmächte ein „Nicht-Ort“ war.

Zitierweise

Зиберт Д. Карта из приложения к Брест-Литовскому мирному договору: причины неопубликования и ошибки в интерпретации текста документа в немецкоязычной историографии // Журн. Белорус. гос. ун-та. История. 2018. № 2. C. 48-56

Zibert, Diana [Siebert, Diana]: Karta iz priloženija k Brest-Litovskomu mirnomu dogovoru: pričiny neopublikovanija i ošibki v interpretacii teksta dokumenta v nemeckojazyčnoj istoriografii // Žurnal Belorusskogo gosudarstvennaja universiteta. Istorija 2018, N° 2, S. 48-56

Siebert D. Map from the Treaty of Brest-Litovsk supplement: reasons for unpublishing and mistakes in the interpretation of document in German historiography. J. Belarus. State Univ. Hist. 2018. No. 2. P. 48-56 (in Russ.).

 

Raissa Orlowa zum 100. Geburtstag – Zwei Abende in Köln am 23. und 25. Juli

Das Lew Kopelew Forum, Neumarkt 18, 50667  proudly presents in seinen Räumlichkeiten:

Mo., 23.07.2018 und Mi., 25.07.2018, jeweils 19.00 Uhr:

RAISSA ORLOWA-KOPELEW zum 100. Geburtstag

„Wir sind Exilierte – die einen aus freiem Willen, die anderen durch den Willen des Schicksals. In bizarrer Weise – unvereinbar und doch untrennbar – begegnen sich in uns jene Welt, die wir verließen (oder die uns ausstieß) und jene Welt, die uns aufnahm. Vielleicht trübt diese besondere Kombination von Erinnerungen und Eindrücken nicht den Blick, sondern hilft mir sogar, das zu sehen, was diejenigen, die nur in einer Welt leben, nicht sehen können?“

Aus: Raissa Orlowa-Kopelew, „Die Türen öffnen sich langsam“, Albrecht Knaus Verlag, München 1984

Raissa Orlowa-Kopelew, geboren 23. Juli 1918 in Moskau, gestorben 31. Mai 1989 in Köln, wurde im Januar 1981 zusammen mit ihrem Mann Lew Kopelew aus der Sowjetunion ausgebürgert.
Gerade ihr Heimweh schärfte ihren Blick für das Westdeutschland der 1980er Jahre. „Kaum öffnet sich eine Tür in eine andere Welt, bricht eine Flut von Eindrücken herein,“ schrieb Raissa Orlowa, in Moskau geschätzte Amerikanistin: „ich habe noch keine Schublade, in die ich sie ablegen könnte.“
Doch wie ihr großes Vorbild Alexander Herzen im 19. Jh. Westeuropa erklärte sie Westdeutschland den Sowjetbürgern und die Sowjetunion den Westdeutschen – einschließlich den Irakern, die neben ihr im Deutschkurs saßen. Mit Pasternak und Achmatowa im Herzen machte sie sich einen Reim aus den vielen großen und kleinen Sorgen der Westdeutschen, reflektierte in Bestsellern wie in den legendären Küchengesprächen ihre eigene Situation zwischen Zwangsexil und Freiheit.

Am 23. Juli 2018 wäre Raissa Orlowa hundert Jahre alt geworden.

Mit zwei Abenden zu ihren Ehren erinnern sich die Weggefährten und Freunde, u.a.: Anna Dünnebier (Schriftstellerin und Filmemacherin), Elisabeth Weber (Deutschlehrerin von Raissa Orlowa) und Karl-Heinz Korn (enger Mitarbeiter vom Ehepaar Kopelew) u.v.a. an die 1990 viel zu früh gestorbene Frau. Maike Lehmann leuchtet den Aufprall aus, den Raissa Orlowa und andere als Exilierte aus der Sowjetunion in Westeuropa erlebten.

Mo., 23.07.2018, 19.00 Uhr: RAISSA ORLOWA-KOPELEW zum 100. Geburtstag, Teil I

Ausschnitte aus der Dokumentation über Raissa Orlowa-Kopelew

Gespräch mit Anna Dünnebier (Schriftstellerin und Filmemacherin)

Moderation: Diana Siebert

UKB: 5,-  / 2,5  LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

Weiterlesen